Virtueller Rundgang durch die Mühle

Die Tür ist geöffnet, herzlich willkommen in der Windmühle AEOLUS. Wir laden sie zu einem bebilderten Rundgang durch die verschiedenen Stockwerke ein. Die historischen und meist mechanisch betriebenen Maschinen sind Zeugen längst vergangener Technik. In früheren Jahren wurde die Mühle mit Windkraft angetrieben. Ca. 1920 kam der elektrische Strom nach Bargum und Umrüstungsmaßnahmen in der Mühle waren die Folge.


Kommt der Besucher durch die große Mühlentür in das Erdgeschoss, sieht er rechts die Absacktrichter für das Mahlgut aus den darüber liegenden Mahlwerken. Einer für Roggen, einer für Weizen. Davor steht eine alte Sackwaage.

Rechts vom Eingang, neben der Treppe, befindet sich der ehemalige „Büro“ des Müllers. Sein späteres Contor wurde 1910 am neuen Müllerhaus angebaut. Auf der Tafel wurden die aktuellen Preise eingetragen. Nebenan steht die alte Kornkiste. Hier wurde mit einer Kornschaufel jeweils eine bestimmte Menge des angelieferten Korns für das Vieh des Müllers abgezweigt. „Matten“ nannte man diese damals übliche Vereinbarung der Geschäftspartner. Der Landmann musste nur darauf achten, dass nicht der Lehrling, der Geselle und der Müllermeister matteten.

Der große Motor, wahrscheinlich um 1920 eingebaut, ersetzte die Windkraft. Er trieb über Riemen die angeschlossene Transmission und somit unterschiedliche Maschinen an. Zum einen die Elevatoren und zum anderen die Mahlwerke, welche nach dem Umbau nun von hier unten über senkrechte Wellen angetrieben wurden.

Prägnant zieht sich die Transmission quer zum Eingang, gut zu erkennen eine der zwei Antriebswellen für je ein Mahlwerk welches sich ein Stock höher befindet.

Hier im Holzboden, zwischen Transmission und Elevator war ursprünglich ein großer Holztrichter eingelassen, in dem das Korn eingeschüttet wurde. Die Schaufeln des Elevators füllten sich dann mit dem Schüttgut und beförderten es über mehrere Stockwerke nach oben in die Mühle.

Steueranlage

Erster Stock


Gleich im ersten Stockwerk, dem Mahlboden, stehen wir vor dem Sackbock. Hier konnten die Säcke abgelegt werden, um sie zum Transport leichter auf die Schulter zu nehmen. Dahinter sieht man den rechten Mahlgang.

Beide Mahlwerke mit dem Steinkran. Zum Schleifen der Steine konnte der Müller die Außenverkleidung (Küb) des Mahlwerks mit wenigen Handgriffen abbauen und unter Zuhilfenahme des Steinkranes die Mahlsteine herausnehmen. Dazu steckte er die Bolzen an den Enden der großen Eisenzange in die Bolzenlöcher seitlich an den Mahlsteinen. Dann drehte er den schweren Stein mit der Gewindestange in die Höhe. Es ist möglich, die Steine anzuheben, zu drehen und dann liegend auf dem Mühlenboden zu behauen. Eine Arbeit, die regelmäßig gemacht werden musste.

Der schwenkbare Steinkran.

Die Elevatoren, hier auf dem Mahlsteinboden durch Kontroll- und Reparaturfenster zu sehen. Die einzelnen Schaufeln für das Schüttgut sind auf dem Weg nach unten. Die breiten Bänder, auf denen sie befestigt sind, werden wie ein Gürtel mit einer großen Schnalle zusammen gehalten.

Walzenstuhl der Fa. Albert Hasenmüller aus Itzehoe. Riffelwalzen dienten zur Herstellung von Schrot aus Weizen oder Glattwalzen für Grieß.

Haferquetsche
Mühlengesellschaft Fr. Brügge, Flensburg


Doppelter Walzenstuhl mit übereinander liegenden Walzen

Pufferspeicher für die Brauchwasser- und Heizungsanlage der Wohnräume. Inhalt 1000ltr. Einspeisung der Windkraft über Tauchsieder in verschiedenen Ebenen.

Alter Rundsichter für Schrot. Diese Maschine hatte aber vermutlich an einer anderen Stelle ihren Standort. Evtl. wo heute die Schalenbürstmaschine steht. Die Mühle war immer auf dem neusten technischen Stand und ausgediente Maschinen wurden an einem freien Platz aufgehoben.

Zylinder- und Zentrifugal-Sichtmaschine. Eine Schalenbürstmachine der Fa. Fr. Brügge, Flensburg. Hier wurde mit Bürsten, das letzte Mehl aus dem letzten Schrot heraus geholt. Funktionierte über Bänder, die von unten durch die Transmission angetrieben wurden.

Die Treppe zum Rundgangboden. Sehr ausgetreten, da die Müller hier mit ihren Holzpatinen herunterrutschten. Aber durch zwei Holme sicher zu gehen.

Zweiter Stock

Auf diesem Boden, dem Rundgang- oder Galerieboden fällt sofort die Deckenhöhe auf, hier standen vor der Elektrifizierung vier Mahlwerke. Zudem befinden sich zu vier Seiten je eine Tür, die auf den Rundgang führen. Je nach Stellung der Flügel muss eine andere Tür benutzt werden, da die Flügel bis auf 20 cm auf den Rundgang herunter reichen und so sehr gefährlich werden können.


Sicherheitsbestimmungen der Mühlenversicherungsgesellschaft zur Verhütung von Bränden in Mühlen. So mussten z.B. jede Woche die Spinnweben entfernt werden. Wenn diese voller Mehlstaub waren brannten sie ein Feuerwerk beim kleinsten Funken. Da Windmühlen oben offen sind, sind sie wie ein Kamin und ein entstehendes Feuer würde sich sehr schnell ausbreiten.

Griesputzmaschine, ein der modernsten Maschinen in der Mühle. Sie konnte auch bei wenig Wind zum Einsatz kommen.

Absauganlage um den Mehlstaubgehalt zu verringern und somit Gefahr vor Mehlstaubexplosionen gering zu halten.

In diesen Holzrohren fiel das Mahlgut, das im Stockwerk darüber durch die Rüttelsiebe des Plansichters gelaufen ist.

Reinigungsmaschine, die noch per Hand angetrieben wurde. Der ehemalige Standort in der Mühle ist nicht bekannt.


Vom Rundgang aus kann die Mühle gesteuert werden. Durch Öffnen und Schließen der Klappen dann der Windwiderstand angepasst werden und somit die die Drehgeschwindigkeit.

Die Treppe zum nächsten Stockwerk ist sehr steil und hoch. Als Handlauf dient nur ein Seil der Sicherheit. Die ehemaligen Müller konnten geschickt und schnell zwischen den verschiedenen Böden hin und her kommen. Auch in den Flügeln mussten sie zu Reparaturarbeiten hoch hinauf oder außen an der Windrose die Getrieberäder schmieren. Es sind immer Wartungsarbeiten fällig, egal ob es stürmt oder schneit oder die nordfriesische Sonne scheint.


Dritter Stock

Hier auf dem Stirnradboden war früher ein riesiges waagerecht liegendes Zahnrad. Es war um die Königswelle herum gebaut und brachte die Windkraft ins darunterliegende Stockwerk. Dort auf dem Rundgangboden, standen ehemals die vier Mahlwerke und wurden über Metallwellen von oben angetrieben. Heute steht an dieser Stelle der neue Generator mit dem die Windkraft umgewandelt wird.

Zentrifugalsichter mit Einlegerähmchen.


Plansichter, diese relativ neuere Sichtmaschine ahmt die sanfte Schüttelbewegung des Handsiebes nach. Besonders für härtere Weizensorten geeignet.

Der Generator, er wird über die Königswelle und einem Winkelgetriebe angetrieben. Näheres dazu siehe auch unter Pilotanlage.

Vierter Stock

In diesem Stockwerk endet der Sackaufzug, sowie die Elevatoren und die Silos.

Der Sackaufzug diente dem Transport vom Korn in die Höhe um es von hier aus entweder in die Silos zu befördern oder auf die Maschinen zu verteilen. Dazu konnte die Welle angehoben werden, wodurch das angeschlossenen Rad gegen ein quer dazu verlaufendes gedrückt wurde, welches direkt an der Königswelle angeschlossen war und somit über Reibung die nötige Kraft erzeugte um die Säcke in Bewegung zu versetzen.


Für den Fall eines Defekts oder bei Flaute, konnten die Säcke mit Handbetrieb nach oben gefördert werden.

Durch den Einsatz der Adlerwinde, mit separatem Motor, konnten die Säcke mit Korn dann auch elektrisch befördert werden.

Die Getreidesilos mit insgesamt fünf Kammern und ca. 12m³ Gesamtvolumen.

In der hinteren Ecke sieht man etwas zusammengequetscht die Elevatoren. Sie enden hier und entleeren sich in Holzrutschen. Diese führen das Korn einmal in den hinteren Silo und einmal das Mehl zum Plansichter im drunter liegenden Stockwerk.

Der Aufstieg ins nächste Stockwerk, ist jedes Mal eine Überraschung, denn je nach Windrichtung, befinden sich Balken und Zahnräder an wechselnden Standorten.

Fünfter Stock


Prägnant hängt mittig im Mühlenkopf ein riesiges Kammrad, es wird durch eine gusseiserne Welle gehalten, welche die direkte Verlängerung der Flügel ist. Das Kammrad stellt die erste Kraftübertragung der Windenergie dar, diese wird über das Bunkel auf die Königswelle übertragen.

Um die Flügel anzuhalten, wird das Kammrad mit dem Bremsbalken gebremst, der nahezu komplett um das Kammrad angebracht ist. Wird der Mechanismus ausgelöst, drücken sich diese Backen gegen das Rad und über die Holzreibung verlangsamt sich die Drehung bis die Mühle zum Stehen kommt.

Hebelbalken um die Bremse vom Rundgangboden aus zu bedienen.




Gewicht für Bremsbalken



Das Bunkelrad ist an der Königswelle befestigt und somit im Kopf zentriert befestigt. Die Kraft vom Kammrad wird hier auf die Welle übertragen (im Zuge des Pilotprojekts wieder neu eingebaut).

Die kleine Leiter führt im Kopf weiter nach oben, sie ist nicht mit dem Boden verbunden und dreht somit bei jeder Bewegung des Mühlenkopfes mit.

Übersetzung von der Windrose auf den Kamm. Der Kopf mit seinen 15t (inkl. Flügel und Windrose) liegt lose auf diesem Kammkranz auf. Die grafithaltige Schmiere ist wasserfest und verringert die Reibung, so dass der Kopf sich in den Wind drehen kann. Bei vielen historischen Windmühlen wird hier ein Kegellager verwendet, hier jedoch lediglich ein Gleitlager.

Blick vom Rundgang auf die Windrose am Kopf. Die Windrose dreht den Kopf der Mühle, so dass die Flügel bei Windrichtungswechsel immer den Wind von vorne bekommen.